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Rationen neu planen - flexibel bleiben bei der Fütterung

Die Probleme der Dürre gehen immer noch weiter. Es fehlt an Gras- und Maissilage. Alternative Futtermittel werden gesucht, Rationen müssen völlig neu geplant werden. Denise Völker berichtet am Beispiel Schleswig-Holstein.

Die diesjährige Gras- und Maisernte stellte die Milchviehbetriebe vor eine große Herausforderung. Es gestaltete sich in manchen Regionen sehr schwierig, überhaupt etwas zu ernten. Die ersten und zweiten Grasschnitte haben noch gute Qualitäten eingebracht. Der Großteil der Silagen konnte in Schleswig-Holstein energie- und proteinreich geerntet werden. Leider fehlten auf vielen Betrieben bereits beim zweiten Schnitt 10 bis 25% des ortsüblichen Ertrags. Betriebe mit trockenen Sandstandorten traf es in Schleswig-Holstein deutlich härter als Betriebe mit sonst sehr nassen Böden. Der Niederschlag fiel von Ort zu Ort sehr unterschiedlich aus. Der dritte Grassilageschnitt wurde aufgrund der langanhaltenden Trockenperiode fast überall nur als Reinigungsschnitt eingefahren. Oft landete er in Rundballen anstatt im Silolager. Ein vierter und fünfter Schnitt mit normaler Qualität war auf den meisten Standorten ab Anfang September wieder möglich. Das zusätzlich eingesäte Ackergras konnte im Herbst noch einmal geerntet werden. Nichtsdestotrotz fehlt Grassilage für die Winterfütterung.

Beim Mais sah es nicht anders aus

Die Maiserträge und -qualitäten fielen ebenfalls sehr unterschiedlich aus. Von 11 bis 48 t Maisertrag pro ha war im Norden alles dabei. Wie diese Maissilagen langfristig melken werden, lässt sich pauschal nicht vorhersagen. Detaillierte Futteranalysedaten sind notwendig. Diese sollten auf das Probenmaterial zugeschnitten sein, weshalb sich die Absprache mit dem Labor bzw. Fütterungsberater auf jeden Fall lohnt. Bei sehr früh geernteten Maissilagen ist eine nasschemische Untersuchung sinnvoll – sie ist allerdings teurer.

Ob ein vorzeitig geernteter Mais, der viel Zucker enthält, dann auch immer zu Problemen in der Fütterung führt, hängt davon ab, wie gut er gehäckselt und verdichtet wurde. Außerdem wirkt sich die Häckselhöhe auf die Rohfaser und Rohaschegehalte und somit auf die Energiedichte aus. Abhängig vom Maisanteil in der Ration haben die Futterinhaltsstoffe der einzelnen Silagen unterschiedlichen Einfluss. Werden 5 kg Trockenmasse (TM) oder 10 kg TM der zuckerreichen Maissilage an die Kühe verfüttert? Wie hoch liegen die Zuckergehalte in den übrigen Futtermitteln? Große Schwankungsbreiten im Zuckergehalt gibt es auch in den Grassilagen, weshalb es nicht auf allen Betrieben mit vorzeitig gehäckseltem Mais zu tiergesundheitlichen Problemen kommen muss. Sowohl bei der Gras- als auch bei der Maissilage muss aufgrund der erschwerten Erntebedingungen vermehrt auf die Futterqualität (u. a. auch Mykotoxinbelastung) geachtet werden. Denn der Grundfutteranteil sollte bekanntermaßen nicht unter 50% der Gesamttrockenmasseaufnahme absinken, um Acidosen zu vermeiden.

Wie reagierten die Betriebe auf die Futtermittelknappheit?

Besonders Betrieben mit knapper Futterfläche fehlt für die Winterfütterung Grundfutter. Einige haben bereits Ende Juni Saftfuttermittel wie Biertreber, Presschnitzel oder Trester gekauft, die dadurch schnell vergriffen waren. Wer konnte, sicherte sich zusätzliches Grundfutter direkt ab Feld. Bei Mais war dies jedoch ab Juli sehr schwierig, da die Betriebe mit Maisüberschüssen die Trockenperiode abwarten wollten, um den diesjährigen Ertrag abschätzen zu können. Ab Ende August ließen sich wieder Zukaufsflächen finden. Je nach Region lag die Preisspanne allerdings von 25 bis 45 € (netto)/t (bei 32% TS). Oftmals mussten 30 Telefonate geführt werden, um überhaupt etwas zu bekommen. Zudem wurden im Sommer mehr Kraftfutterkontrakte (aufgrund steigender Getreidepreise in der Ernte) abgeschlossen als üblich – besonders auf Körnermais. Ob sich der Abschluss als richtig erweist, wird sich über die Wintermonate herausstellen.

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Durch die Trockenheit fielen die Maiserträge und -qualitäten sehr unterschiedlich aus.

Ausführlichen Futterverteilplan anlegen

Jeder Betrieb mit knappen Vorräten sollte einen detaillierten Futterverteilplan erstellen. So lässt sich am einfachsten herausfinden, bis wann das Futter reicht und welche Lösungen infrage kommen. Für die Berechnung werden die vorhandenen Futtervorräte, die TS-Gehalte der Futtermittel, die Tierbestände und deren Trockenmasseaufnahmen benötigt. Zudem sollten die Eckdaten der geplanten Rationen bekannt sein, um den Tiergruppen die entsprechenden Grundfutterverbräuche zuzuteilen. Wichtig ist es, den Futterverteilplan alle paar Wochen zu einem festen Termin zu überprüfen. Falls sich neue Engpässe auftun, kann so zeitnah durch eine Umgestaltung der Ration oder weitere Futterzukäufe reagiert werden. Erfahrungsgemäß werden in der Praxis die Jungviehbestände und deren Futterbedarf deutlich unterschätzt. Deshalb sollten unbedingt die Jungtiere berücksichtigt werden. Optimalerweise mit der tatsächlichen Trockenmasseaufnahme.

Übersicht 1: Welche zusätzlichen Kosten kommen bei den melkenden Kühen auf den Betrieb zu?

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Die Reihenfolge der Verfütterung festsetzen

Der Futterverteilplan unterstützt auch dabei, die bestmögliche Reihenfolge bei der Verfütterung festzulegen. Eine zuckerreiche Maissilage sollte aufgrund einer höheren Nacherwärmungsgefahr im Winter verfüttert werden. Auch trockene Grassilagen (>42% TS) sollten wegen ihres höheren Nacherwämungsrisikos besser im Winter verfüttert werden. Trotz hoher Sonneneinstrahlung führte die angewandte Produktionstechnik in der Grassilagebergung zu einer großen Streuung in den Futterinhaltsstoffen. Nicht alle Grassilagen aus diesem Jahr haben automatisch hohe Zuckergehalte. Die Einzelbeprobung der Silagen macht auf jeden Fall Sinn. Die Grundfuttersilagen können dadurch besser aufeinander abgestimmt werden. Gesundheitlichen Problemen in der Herde – wie einer erhöhten Acidosegefahr – kann eine angepasste Rationsgestaltung entgegenwirken. Gibt es Schwankungen in den Melktagen bzw. Kalbeblöcke? Dafür sollten die voraussichtlichen Kalbungen der nächsten Monate ausgezählt werden. Falls ja, sollte sich beim höchsten Frischmelkeranteil das beste Futter im Siloanschnitt befinden.

Verfügt der Betrieb über eine flexible Siloanlage und hohen Vorschub (> 2,5 m/Woche), muss bei sehr unterschiedlichen Grassilagequalitäten ein Verschnitt der Silagen erfolgen. Das funktioniert in der Praxis immer besser, als wenn die Herde von einer 7 MJ NEL Silage auf eine 5,8 MJ NEL Silage wechseln muss. Erhält sie ab Frühjahr Weidegang, sollte dies bei der Planung berücksichtigt werden.

Viele Grassilageschnitte konnten in diesem Jahr nur als Reinigungsschnitte abgefahren werden.

Alternative Fütterungsstrategien überdenken

Um die Milchmenge stabil zu halten, sollten die Anfütterungskühe und die Hochleistungskühe mit der gleichen Strategie wie bisher gefüttert werden. Zuckerreiche Maissilagen sollten mit pansenstabiler Energie aus anderen Futtermitteln (z.B. Körnermais) ausgeglichen werden. Große Strohmengen im Hochleistungsbereich wirken sich negativ auf die Futteraufnahme aus und sollten vermieden werden. Die Jungtiere können hingegen mit alternativen bedarfsgerechten Futterrationen versorgt werden. Einige Betriebe verfüttern beispielsweise an ihre tragenden Jungtiere 2 bis 3 kg Stroh pro Tier und Tag und gleichen den höheren TS-Gehalt über Saftfuttermittel (Treber, Trester, o.Ä.) aus. Auch ein zusätzlicher Wassereinsatz in strohreichen Rationen wird bereits erfolgreich praktiziert. In den Frühtrockensteher- und Altmelkerrationen lässt sich das Grundfutter ebenfalls mit Stroh strecken. Bei hohem Stroheinsatz ist oft ein Ausgleich mit Kraft- und Mineralfutter notwendig. Eine schnelle Übersicht verschafft eine aktuelle Rationsberechnung, die auch stets für Jungtiere und Trockensteher erfolgen sollte. Ob eine Hochleistungsration tatsächlich mit Kraftfutter »gestreckt« werden kann, hängt von der Rationszusammensetzung ab. Zudem muss natürlich das Einkommen nach Futterkosten (income over feed cost, IOFC) im Blick behalten werden. Pauschale Aussagen lassen sich aufgrund der großen Qualitätsunterschiede in den Grundfuttermitteln nicht treffen. Einmal geöffnet, muss ein Silo nicht bis zum Ende gefüttert werden, wenn sich andere und bessere Lösungen ergeben. Wichtig ist es, in der diesjährigen Winterfütterung gedanklich flexibel zu bleiben.

Bestandsgröße prüfen

Wie hoch ist der Anteil der Schlachtkühe? Bei welchen Tieren fällt das IOFC negativ aus? Sprich, die betroffene Kuh ermelkt die tatsächlichen Futterkosten nicht. Auch der Jungviehstapel muss bewertet werden. Wie viele Tiere werden für die tatsächliche Remontierung benötigt? Lassen sich Tiere verkaufen? Ein »UnterWert-Verkauf« kann sich gesamtwirtschaftlich lohnen. Bei einer hohen Remontierung von über 30% führen die tragenden Jungtiere zu besonders hohen Grundfutteraufwendungen. Hier muss betriebsindividuell analysiert werden, ob abgestockt werden kann. Eine geringere Remontierung in der melkenden Herde führt immer zu einer höheren Laktationsleistung pro Kuh, da die Mehrkalbskühe mehr Milch geben als die Erstkalbinnen. Auch wenn einem 1000 kg Jungviehfutter pro Tag nicht viel erscheinen, so sind es auf das Jahr gesehen doch immerhin 365 t, die vielerorts auf den Betrieben nicht vorhanden sind. Falls Grundfutter zugekauft werden könnte, läge die Zahlungsbereitschaft für Grassilage bei sicherlich 40 €/t. Demnach geht es um einen Futterwert von knapp 15000€, die investiert werden müssten. Handelt es sich um Tiere, die Milch geben bzw. die ich für die Bestandsremontierung benötige, wären die 15000 € eine gute Investition. Habe ich jedoch insgesamt doppelt so viele Färsen, wie ich benötige, muss berechnet werden, welcher Schaden am Ende der geringste ist.

Ist das Potential im Bereich von Schlachtkuh- und Jungviehverkäufen ausgereizt und das Futter trotzdem noch knapp, kann im nächsten Schritt überlegt werden, den Kuhbestand bei gleichbleibender Milchmenge etwas zu reduzieren. Nicht immer reduziert sich durch eine Abstockung des Kuhbestands auch die Milchmenge am Tank. Durch mehr Platz im Stall verbessert sich häufig der Kuhkomfort. Die Kühe haben einen besseren Zugang zum Futter und zu den Liegeplätzen. »Der Stall melkt weiterhin die gleiche Milchmenge.« Es gibt zudem viele Tricks, wie sich die Milchmenge trotz weniger Kühe halten lässt. Die Ration kann noch optimiert werden? Die Futteraufnahme lässt sich durch häufigeres Futteranschieben weiter erhöhen? Möglicherweise kann die Trockenstehzeit von 8 auf 6 Wochen verkürzt werden?

Was ist zu tun?

Fazit

Das Grundfutter ist auf den meisten Milchviehbetrieben knapp. Deshalb sollte jeder frühestmöglich einen ausführlichen Futterverteilplan für seine Grundfuttervorräte erstellen, seine Fütterungsstrategie überprüfen und seinen Tierbestand an die Grundfuttervorräte anpassen. Der Winter wird lehrreich, denn andere Rationskonzepte müssen ausprobiert werden. Am Ende hat die Futterknappheit dann vielleicht auch etwas Positives: Neue Lösungen stärken das Selbstbewusstsein des Betriebes und lassen ihn selbstsicherer in die Zukunft gehen.

Viel Erfolg und gesunde Kühe!

Deine Denise

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