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Wie viel Erlös frisst dein Futter?

Weißt du, was von deinen Milcherlösen nach Abzug der Futterkosten übrig bleibt? Denise Völker stellt eine betriebliche Kennzahl vor, die in den USA schon weit verbreitet, bei uns aber noch relativ unbekannt ist.

Die Futterkosten machen 40 bis 60 % der Gesamtkosten der Milcherzeugung aus. Hier ergibt sich mit einer Rationsumstellung großes Optimierungspotential. Zumal auch die Futtermittelmärkte, ebenso wie die Milchpreise, hoch volatil sind. Bei einer Futterumstellung stellt sich daher oft die Frage: »Erziele ich auch tatsächlich einen höheren Milcherlös, oder wird die Ration nur teurer?« Amerikanische Fütterungsspezialisten berechnen deshalb die Kennzahl »Income over feed cost« (IOFC): das »Erlös nach Futterkosten«.

Der eigene IOFC lässt sich für den Betrieb einfach berechnen, indem die gesamten Futterkosten von den Milcherlösen abgezogen werden:

IOFC (€/Kuh) = Milchmenge (kg/Kuh) x Milcherlös (€/kg) – Futterkosten (€/Kuh). Das Ergebnis gibt einen Überblick über die Futterkosten in Relation zu den Milcherlösen. Es zeigt an, wie gut die Herde das Futter in Milch umsetzt. Der Erlös nach Futterkosten steht dann für die Abdeckung von weiteren Kostenblöcken wie Arbeit, Gebäudekosten und anderen Spezialkosten zur Verfügung.

Beispielrechnung IOFC

In der Übersicht sind zwei Betriebsbeispiele mit ihrem berechneten IOFC dargestellt. Auf dem Betrieb B werden 32 kg Milch pro Kuh und Tag ermolken. Auf dem Betrieb A sind es nur 25 kg Milch. Hieraus ergibt sich ein um 2,80 € pro Kuh und Tag geringerer Milcherlös für Betrieb A im Vergleich zu Betrieb B. Die etwas niedrigeren Futterkosten können diese Differenz nicht ausgleichen. Der Milcherlös nach Futterkosten liegt deshalb auf Betrieb A um 2,40 €/Kuh und Tag niedriger. Bei einer Herde mit 100 Kühen würde Betrieb B somit ein um 240 € höheres Einkommen nach Futterkosten realisieren als Betrieb A.

Werden die eingesetzten Futtermittel effizient in Milch umgesetzt?

Das ist eine wichtige Frage, die sich Betriebsleiter immer wieder stellen sollten. Durch die Auswertung des IOFC können Entscheidungen im Bereich der Fütterung und des Herdenmanagements zielgerichteter und sicherer getroffen werden. Denn wenn sich durch einen Futtermittelwechsel bzw. den Zusatz eines Futtermittels zwar die Milcherlöse steigern lassen, aber gleichzeitig auch die Futterkosten deutlich erhöht werden, kann der IOFC pro Kuh und Tag sinken. Wenn die Erlöse durch niedrigere Milchpreise sinken, ist ebenfalls eine Überprüfung der Ration notwendig. Der IOFC stellt die aktuellen Milcherlöse den aktuellen Futterkosten gegenüber und prüft, ob sie in einem guten Verhältnis zueinander stehen. Wichtig ist allerdings, dass bei Interpretation des IOFC und Anpassung der Ration nicht nur die ökonomischen, sondern auch ernährungsphysiologische Aspekte berücksichtigt werden.

Eine aktuelle und konstante Datengrundlage ist für die Verwertbarkeit des IOFC entscheidend. Die Erfassung der Erlösseite ist hierbei einfach: Die abgelieferte Milchmenge wird mit dem aktuellen Milchpreis multipliziert und durch die Anzahl der Kühe dividiert. Für die Erhebung der Futterkosten ist die Kenntnis der Futterbeladepläne inklusive Futterrestwiegungen notwendig: Wie viel fressen die Kühe am Tag? Welche Komponenten werden gefüttert und was kosten diese?

Die Preise für Zukauffuttermittel sind schnell auf den Abrechnungen der Lieferanten zu finden. Schwierig ist dagegen, die Erhebung der Grundfutterkosten. Hierbei musst du im Vorfeld entscheiden, ob mit Marktpreisen oder Herstellungskosten gerechnet werden soll. Bei der Berechnung zu Herstellungskosten werden alle Faktoren berücksichtigt: Erträge, Arbeit, anteilige Pacht, Flächennebenkosten, Maschinenabschreibung, Düngerkosten, Erntekosten, etc. Mitunter liegt bereits eine Betriebszweigabrechnung für den Futterbau vor, an der du dich orientieren kannst. Ansonsten lohnt es sich, die betrieblichen Grundfutterkosten zu erfassen und auf die Erträge aus dem Futterbau umzulegen. Die Berechnung der Grundfutterkosten mit Marktpreisen ist ebenfalls möglich. Sie bietet sich besonders in Regionen mit einem starken Grundfuttermarkt an. Wichtig ist, dass die Berechnung einheitlich und mit realistischen, aktuellen Preisen erfolgt.

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Der IOFC bewertet die Futterkosten in Relation zu den Milcherlösen

Die Futtermittelmärkte in Deutschland sind regional unterschiedlich. Die klassischen Grundfuttermittel in der Milchviehfütterung sind aber nach wie vor Grasund Maissilage. Neben den eingesetzten Kraftfutterkomponenten spielen häufig zugekaufte Saftfutter (z. B. Biertreber, Trester oder Pressschnitzelsilage) eine Rolle. Milchviehhalter haben eine Vielzahl an Möglichkeiten für eine ausgewogene Rationszusammenstellung. Damit die Ration aber nicht nur wiederkäuergerecht, schmackhaft und preisgünstig ist, sollte jeder Betrieb am besten monatlich, mindestens jedoch nach jeder Rationsumstellung, seinen aktuellen IOFC berechnen. 

Wird der tägliche IOFC pro Kuh betrachtet, ist das Ergebnis stark abhängig vom Laktationsstadium. Gerade zu Beginn der Laktation setzen die Kühe das angebotene Futter besonders effizient in Milch um. Deshalb erreichen Frischmelker schnell einen IOFC von 7 bis 10 € pro Tag. Dieses Ergebnis lässt sich mit dem richtigen Herdenmanagement sogar noch weiter steigern. Gegen Ende der Laktation nimmt die Effizienz ab, mit der das Futter in Milch umgesetzt wird. Dann fällt auch der IOFC geringer aus. Hier wären 3 bis 6 € pro Kuh und Tag wünschenswert. Wird dieser Wert im letzten Laktationsdrittel nicht erreicht, hängt das oft mit zu hohen Kraftfuttergaben zusammen. Die Ration der Altmelker sollte daher genau geprüft werden.

Wenn die betriebseigene Datengrundlage eine IOFC Berechnung nach Laktationsstadien ermöglicht, weil Fütterungsgruppen und Milchmengenmessung vorhanden sind, sollte eine separate Auswertung nach Fütterungsgruppen erfolgen. Mögliche Fehlerquellen lassen sich damit sowohl im Fütterungs- als auch im Herdenmanagement leichter aufdecken. So senken z. B. viele Kühe mit Sperrmilch den IOFC, da sie zwar keine Milcherlöse erzeugen, aber Futterkosten verursachen. Auch der Start in die Laktation ist für das IOFC-Ergebnis wichtig. Denn nur, wenn die Kühe gut in die Laktation starten, lässt sich neben der Einstiegsleistung auch die Persistenz erhöhen. Dies führt insgesamt zu einer höheren Futtereffizienz, besonderes im letzten Laktationsdrittel.

In den USA arbeiten bereits viele Betriebe mit der Kennzahl IOFC. Sie dient besonders auf großen oder stark wachsenden Betrieben dazu, eine ökonomische Fütterung zu gewährleisten und Fehlentscheidungen zu vermeiden. Regionale amerikanische Modellrechnungen zum IOFC arbeiten mit durchschnittlichen Futtermittel- und Milchpreisen. Dort kann ein Standard-IOFC ermittelt werden, mit dem sich die Betriebe vergleichen können. Dieser Standard-IOFC steht in Deutschland bislang noch nicht zur Verfügung. Aber es gibt noch zwei weitere Werte, an denen sich die Milchviehbetriebe orientieren können: »High IOFC Benchmark« und »Low IOFC Benchmark«: Wenn die Futterkosten nur 40 % der Milcherlöse verbrauchen, sprechen die amerikanischen Fütterungsspezialisten von einem High IOFC Benchmark. Die Milchproduktion ist im Hinblick auf das Verhältnis Futterkosten zu Milcherlösen profitabel. Werden für die Futterkosten hingegen 60 % der Milcherlöse benötigt, handelt es sich um einen Low IOFC Benchmark. Hier sollte die Futteraufnahme (TM-Aufnahme), der Einsatz von Futterzusätzen und die eingesetzte Kraftfuttermenge kritisch geprüft werden. Die Futterkosten wären in diesem Fall zu hoch. Es verbliebe zu wenig Einkommen für die weiteren Kostenblöcke in der Milchproduktion.

Fazit

Die amerikanische Erfolgskennzahl »Income over feed cost« (IOFC) ermöglicht einen schnellen und aktuellen Überblick darüber, wie viel »Erlös nach Futterkosten« dem Betrieb zur Verfügung steht. Entscheidungen im Bereich der Fütterung lassen sich mit dem IOFC zielgerichteter und sicherer treffen. Von Vorteil ist die Möglichkeit einer Auswertung nach Laktationsstadien, da so Fehler im Herdenmanagement oder in der Fütterung differenziert aufgedeckt werden. Grundvoraussetzung ist eine konstante und aktuelle Datengrundlage, sowie eine regelmäßige Auswertung. Die IOFC Ergebnisse können innerbetrieblich und mit anderen Betrieben verglichen werden. Betriebsentwicklungen im Bereich der Fütterung lassen sich so gut abbilden.

 

Viel Erfolg und gesunde Kühe!

Deine Denise

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