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Kraftfutterkurven und ihre Tücken

Viele Betriebe in Deutschland füttern an ihre Kühe Teil-Mischrationen (Teil-TMR). Ein Großteil dieser Betriebe hat in automatisierte Melksysteme investiert, bei denen die Kühe einen Teil des Kraftfutters im Melkroboter erhalten. Die übrigen Betriebe haben zwei oder mehr Kraftfutterstationen, die sie noch nutzen. Die Erfahrungen aus der Beratung haben in den letzten Jahren sehr häufig Fehler bei der Kraftfutterzuteilung gezeigt. Zudem zeigen sich In der Praxis sehr häufig falsch eingestellte Kraftfutterkurven, die sich viel deutlicher negativ auf die Tiergesundheit der Herde auswirken.

In er Praxis zeigt sich immer wieder, dass Herden mit Voll-TMR einfacher tiergesund zu füttern sind als Herden mit Teil-TMR. Das liegt nicht nur allein daran, dass zusätzliche separate Kraftfuttergaben zu größeren pH-Wert-Schwankungen im Pansen führen und somit den Stoffwechsel der Tiere negativ beeinflussen können. In der Praxis zeigen sich sehr häufig falsch eingestellte Kraftfutterkurven, die sich in der Regel viel deutlicher negativ auf die Tiergesundheit auswirken. Darüber stolpern dann nicht nur einzelne Kühe in Form von Pansenfermentationsstörungen und Klauenproblemen, sondern auch schnell ganze Herden. Falsch eingestellte Kraftfutterkurven beeinträchtigen neben der Tiergesundheit vor allem die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes und können einen Betrieb – gerade in Zeiten von hohen Kraftfutterpreisen – schnell zu Fall bringen.

Genau auf die Herde ausrichten

Bei der Installation von automatischen Melksystemen müssen Kraftfutterkurven neu angelegt werden. Dabei müssen sehr viele Einflussfaktoren berücksichtigt und deshalb beim Betrieb erfragt werden. Es sollten dabei nicht die technischen Kennzahlen im Vordergrund stehen, sondern die Herde! Eine sensible Aufgabe, die sehr viel Erfahrung voraussetzt. Da jede Herde und jeder Stall anders sind, ist es wichtig, die Kurven genau auf die Herde auszurichten. Mit Standardlösungen kommt man in der Milchviehfütterung nicht weit. Wie hoch liegt die Trockenmasseaufnahme am Futtertisch? Wie hoch liegt die Milchmenge? Wo liegen die Milchinhaltsstoffe? Wie ist die chemische und physikalische Zusammensetzung (Schüttelboxergebnisse) der Futtertischration? Passen die Laufwege? Stimmt der Kuhkomfort? Wo liegt die Belegungsdichte? Wie häufig und wann wird gefüttert? Dies sind nur einige Fragen, die man sich an diesem Punkt stellen sollte, um Kraftfutterkurven am PC als Landwirt oder Berater richtig bewerten und einstellen zu können.

Am besten nur eine Kraftfuttersorte

Auf einigen Betrieben – wobei es da regionale Unterschiede gibt – werden zudem mehrere unterschiedliche Kraftfuttersorten über die Stationen angeboten. Hieraus ergeben sich dann unzählige Einstellungsmöglichkeiten, die bei Veränderungen der Ration, bspw. Bei einem Futterwechsel, den Bediener schnell überfordern können. Für die Bedienung komplexer Kraftfutterkurven mit mehreren Kraftfuttersorten ist sehr viel Fachwissen notwendig und es ist Voraussetzung, dass die komplette Fütterung auf dem Betrieb bereits sehr konstant abläuft. Grundvoraussetzungen: Nur eine Person füttert, immer zur gleichen Uhrzeit (+/-10 Min.), kaum Silagewechsel (Futterwechsel), keine Futterselektion, hohe Trockenmasseaufnahmen (gemessen!) von über 24,5 kg pro Kuh und Tag, täglich aktuelle TS-Gehalte usw.

Erfahrungsgemäß sind die Betriebe besser aufgestellt, wenn sie möglichst einfach füttern mit nur einer Kraftfuttersorte plus ggf. Flüssigfutter. Erfolge lassen sich besser nachvollziehen und man weiß als Betriebsleiter, welche Futterkomponente in der Ration welche Auswirkung auf die Kühe und Milchmenge hat. Nur so lässt sich Erfolg wiederholen! Nichts ist schlimmer, als sich daran zu erinnern, dass es vor einem Jahr viel besser lief: Die Kühe waren gesünder und die Milchmenge lag um 3 Liter höher pro Kuh und Tag als im Moment und es ist nicht klar, woran es damals lag.

Für die optimale Kraftfutterkurve gibt es keine Standardlösung. Sie muss zur Herde und zu dem Betrieb passen.

Einfach füttern

Was bedeutet „einfach füttern“? Am Futtertisch wird eine nach nutzbarem Rohprotein und MJ NEL ausgewogenen Ration verfüttert. An den Stationen bekommen die Kühe ebenfalls ein ausgeglichenes Kraftfutter. Bei Veränderungen der Ration durch Futterwechsel müssen nur die Eckparameter der Futtertischration an die erfolgreichen Eckparameter aus der Vorgängerration angepasst werden. Bisher haben die Erfahrungen in der Beratung noch nie gezeigt, dass die Wahl mehrerer Kraftfuttersorten der ausschlaggebende Punkt für einen Betrieb war, um hohe Leistungen zu ermelken. Das funktioniert auch mit einfachen Konzepten und meistens günstiger, weil das Fundament (Grundfutterleistung und TM-Aufnahme) stimmt.

In der Fachpresse sind sich alle darüber einig, dass nur pansenstabile Futterkomponenten am Melkroboter eingesetzt werden sollten. Das sind unter anderem Körnermais, Trockenschnitzel, und auch Rapsschrot. Hohe Getreideanteile sind weniger geeignet. Zudem wird immer weiter versucht, so wenig Kraftfutter wie möglich außerhalb des Futtertischs zuzuteilen. Wichtig ist aber auch, wie die Futtertischration gefressen wird und wie gut sie melkt. Im optimalen Fall muss an den funktionierenden Kraftfutterkurven nie wieder wirklich herumgedreht werden, weil die Futtertischration auf die gleichen Erfolgsparameter eingestellt wird und somit die Herde auch bei Futterwechseln stabil durchlaufen kann.

Für hohe Grundfutterleistungen ist eine konstante Fütterung der entscheidende Hebel. Dafür ist ein ausgefeiltes Fütterungscontrolling unerlässlich.

Mindset- und Höchstmengen

Bei der kritischen Betrachtung der angewendeten Kraftfutterkurven sollten immer auch die Mindset- und Höchstmengen betrachtet werden. Sind sie so eingestellt, dass die Kühe die maximale Grundfutteraufnahme überhaupt erzielen können? Werden die Kühe nach der Kalbung langsam hochgefüttert und erhalten erst nach vier bis sechs Wochen die maximale Kraftfuttermenge am Melkroboter? Gute Erfahrungen lassen sich machen, wenn die Kühe maximal 3 kg bekommen.

Passen die Mindestmengen (Lockfutter) zum Betrieb oder wären auch 200 g weniger pro Kuh und Tag denkbar, ohne dass sich das Laufverhalten verschlechtert? Leider hängen die eingestellten Mindestmengen stark vom Stall ab bzw. vom Kuhkomfort. Besonders die Laufwege und die Liegeboxen sind entscheidend. Nicht selten erleben wir in der Praxis, dass die Verbesserung des Liegekomforts sich kurzfristig negativ auf das Laufverhalten auswirkt, ebenso wie eine Reduktion der Acidosegefahr. Deshalb muss man dranbleiben und nicht gleich aufgeben bzw. nicht gleich direkt wieder die Kraftfuttermengen an den Stationen nach oben nehmen, wenn der konkrete Grund unbekannt ist. Mithilfe eines konsequenten Fütterungscontrollings und dessen Umsetzung lassen sich die Kühe oft „überreden“. Und am Ende zahlt sich die Geduld in Form von Tiergesundheit aus. Immer daran denken: Auch Kühe sind Gewohnheitstiere.

Kraftfutterkurven optimal einstellen

Ob Kraftfutterkurven optimal eingestellt sind, lässt sich in erster Linie an der Tiergesundheit erkennen. Gibt es keine auffälligen Tiere mit Klauenrehe oder Sohlengeschwüren? Kommt es nicht zu plötzlichen Milchverlusten, die sich nicht wirklich erklären lassen und sich nur mit einer „Acidose-Behandlung“ wieder auf Spur bringen lassen? Gute Kraftfutterkurven bzw. Kraftfutterlinien halten eine Herde gesund und setzen nur so viel Kraftfutter wie unbedingt notwendig ein. Kraftfutterlinie deshalb, weil immer mehr Betriebe mit dem Trend gehen, stets die gleiche geringe Kraftfuttermenge an alle Kühe zu füttern – unabhängig vom Laktationsstadium. Außer den Frischmelkern, die noch hochgefüttert werden, bekommen so alle Kühe die gleiche Höhe an Kraftfutter. Neben gesunden Kühen zeigen sich so eingestellte Kurven an einer guten Laktationspersistenz. Die Kühe und Färsen halten ihre Milch über einen langen Zeitraum. Ein weiterer Vorteil sind deutlich geringere Remontierungsraten, die wir auch in der Beratung immer wieder beobachten können.

Kühe haben immer recht

Oft trauen Betriebe sich nicht, die Kraftfutterkurven selbst zu optimieren, obwohl sie das Gefühl haben, dass die Kurven nicht gut funktionieren, weil viele Tiere Probleme mit Sohlengeschwüren und Klauenrehe haben oder die Altmelker zu dick werden. Da jeder Betrieb auf eine individuelle Lösung angewiesen ist und Kühe immer recht haben, lohnt es sich aber, sich intensiv mit der Kraftfutterkurve auseinanderzusetzen, wenn man als Betrieb den Eindruck hat, dass da gerade nicht alles optimal läuft.

Natürlich ist es wichtig, die Rahmenbedingungen zu analysieren. Welchen Rahmen muss ein Betrieb seiner Herde überhaupt bieten, damit sie im Schnitt die gewünschte Milchleistung gesund ermelken kann oder ein bestimmtes Problem mit der Tiergesundheit gelöst bekommt?

Ein einfaches Beispiel aus der Praxis:

Der Betrieb startet mit zwei Melkrobotern und melkt nach der erfolgreichen Einmelkung 30,5 kg pro Kuh und Tag, die Anzahl der Melkungen liegt bei 2,9 pro Tag. Der Landwirt muss nur 5 % der Tiere zum Melken holen. Durch die Veränderung der Silagen und eine Neueinstellung der Ration am Futtertisch steigt die Milchmenge über Winter auf 35 kg an. Das Laufverhalten verringert sich auf 2,6 Melkungen pro Tag und der Landwirt muss jetzt 10 % der Tiere holen. Es gibt allerdings deutlich weniger Klauenprobleme als zuvor und die Remontierung geht um 10 % zurück.

Häufig wird in solchen Fällen versucht, das Laufverhalten wieder nach oben zu bringen. Doch hier sollten nicht nur die Kennzahlen aus der Rationsberechnung, aus dem Fütterungscontrolling und die Tiergesundheit betrachtet werden, sondern auch Informationen zur Nachhaltigkeit der aktuellen Fütterung in Hinblick auf die Tiergesundheit. Im zweiten Szenario (Winter) verbessert sich das Einkommen nach Futterkosten (IOFC) bei den aktuellen Milch- und Kraftfutterpreisen um ca. 50.000 € pro Jahr plus die Einsparungen durch die verbesserte Tiergesundheit und die verringerten Remontierungskosten. So liegt ein Betrieb mit ca. 120 melkenden Kühen schnell bei einem um 60.000 € verbesserten IOFC. Deshalb lohnt sich ein zweiter und dritter Blick auf die Kraftfutterkurven. Dabei reichtes nicht aus, nur einen Parameter (wie z. B. das Laufverhalten) zu betrachten.

Voll-TMR für Betriebe ohne automatische Melktechnik

Betriebe ohne automatische Melktechnik sind erfahrungsgemäß mit einer Voll-TMR deutlich besser aufgestellt. Die Fütterung wird einfacher und Erfolg planbarer. Da eine gute Voll-TMR allerdings auf eine hohe Futteraufnahme am Futtertisch angewiesen ist, funktioniert die Umstellung – wie auch jede andere Umstellung in der Milchviehfütterung – nur in kleinen Schritten. Die Kühe müssen sich in der höheren Grundfutteraufnahme „üben“ und das nimmt manchmal mehrere Monate in Anspruch. Betriebe, die ihre Stationen einmal aufgestellt haben, stellen sie allerdings erfahrungsgemäß nie wieder an.

Übrigens! Zum Thema Kraftfutter möchte ich dir diese Podcast-Folge hier empfehlen. 

Viel Erfolg und gesunde Kühe!

Deine Denise

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