Fütterung - Die Mischung macht's - www.kuehe-gesund-fuettern.de

Die Mischung macht‘s! Gesunde Kühe durch homogene Mischungen

Kühe lieben Langeweile! Milchviehhalter, die Ihre Kühe gut kennen, merken dies schnell. In gut geführten Milchviehherden lässt sich deshalb fast immer beobachten, dass das Management sehr konsequent handelt. Es gibt feste Arbeitsabläufe für die verschiedenen Bereiche (z. B. Abkalbung, Frischmelkerkontrolle), die schriftlich festgehalten und jedem Mitarbeiter frei zugänglich sind. Außerdem wird großer Wert auf die Fütterung gelegt, da sie die Tiergesundheit maßgeblich beeinflusst und einen Großteil der Produktionskosten verursacht. Und umso langweiliger die Kuh ist, desto gesünder und leistungsbereiter ist sie. Deshalb ist eine ausgewogene, schmackhafte und wiederkäuergerechte Fütterung für eine erfolgreiche Milchviehproduktion entscheidend.

 

Die Geschichte der vier Rationen

Die Analyse der aktuellen Grundfuttermittel ist auf den meisten Betrieben in Schleswig-Holstein bereits Standard. Anhand der Ergebnisse erfolgt in der Regel auch eine aktuelle Rationsberechnung durch den jeweiligen Berater. Die Rationsberechnung bildet somit einen guten Ausgangspunkt für eine Rationsumstellung. Nach einer langsamen Umstellung auf die neue Ration über mehrere Tage kann der Landwirt anhand von Tierbeobachtung (z. B. Pansenfüllung, Kotkonsistenz, Wiederkauverhalten) und Daten aus der Milchkontrolle oder von der Tankmilch schnell Rückschlüsse ziehen, wie die Kühe auf die neue Ration reagieren. Denn nach wie vor gilt der „Grundsatz der vier Rationen“: Es gibt die berechnete, die gemischte, die gefressene und die verwertete Ration. Leider sind diese nicht immer identisch. Deshalb ist es Ziel, die Abweichung zwischen der berechneten und der verwerteten Ration möglichst gering zu halten. Ebenso wichtig ist es jedoch auch, dass die gemischte Ration jeden Tag gleich ist.

In einer aktuellen Studie aus Kanada wurden 22 Milchviehfarmen im Winter und Sommer besucht. Die Auswertung der erhobenen Daten zeigte dabei, dass allein durch die Verringerung von täglichen Schwankungen im Energiegehalt und in der Futterstruktur sich die Futteraufnahme und die Milchmenge deutlich steigern ließen. Somit kann mit einem gezielten Blick auf die tägliche Fütterung ungenutztes Potential quasi kostenlos genutzt werden.

 

Die Fütterungstechnik im Griff

Nach der täglichen Reinigung des Futtertischs erfolgt die gleichmäßige Frischvorlage der Ration. Im Verlauf des Tages sollte das Futter nicht warm werden. Ist dies doch der Fall, können stabilisierende Zusatzstoffe (z. B. Kaliumsorbat) hinzugefügt werden oder der Betrieb steigt auf zweimalige Fütterung pro Tag um. Die Ration sollte vom Futtermischwagen am Futtertischbeginn genauso ausgefüttert werden wie am Ende. Die regelmäßige Wartung des Wagens, scharfe Messer und eine funktionierende gut sichtbare Waage sind dafür wichtig. Weiterhin dürfen sich Bauteile nicht lockern können, die beim Abfallen von den Tieren aufgenommen werden. Das führt sonst zu schweren Verletzungen. Auch die Beladung des Mischwagens ist ein entscheidendes Kriterium für die Homogenität der Ration. Wird mit einem geringen Gewicht beladen – wie es oft bei Trockensteherrationen der Fall ist – lässt sich nicht immer eine hohe Mischgenauigkeit erzielen. Andersherum führt eine Überladung ebenfalls zu schlechten Mischergebnissen.

Je nach Fabrikat und Rationsgestaltung können etwa 6-9 Kühe pro m3 bzw. 120-140kg Trockenmasse pro m3 Volumen gefüttert werden. Hat der Mischwagen stumpfe Messer oder ist er überladen, wird dies häufig durch eine längere Mischdauer versucht zu kompensieren. Hier besteht jedoch die Gefahr, dass die Ration zu stark „gemanscht“ wird und die Futterstruktur darunter leidet. Durch eine geringere Futterstruktur erhöht sich für die Kühe das Risiko einer Pansenübersäuerung.

Fütterung

Beladelisten lassen sich leicht erstellen und helfen dabei, homogene Mischungen zu erstellen und dadurch die Futteraufnahme zu steigern.

 

Mischdauer und Beladereihenfolge bei der Fütterung

Damit für die Kühe und ihre Pansenmikroben jeder Tag möglichst gleich abläuft, hilft es, wenn alle fütternden Personen die gleiche Mischdauer und Beladereihenfolge einhalten. Hierfür gibt es keine Standardempfehlung, da jede Fütterungstechnik andere Voraussetzungen liefert, auf jedem Betrieb die Futterkomponenten anders gelagert werden (Entfernungen), die Arbeitsabläufe sich unterscheiden und die gefütterten Rationen ganz unterschiedliche Ansprüche an Beladung und Mischzeit stellen. Die Mischreihenfolge ergibt sich zudem aus der Futterstruktur und der Futterbeschaffenheit. Als Orientierung gilt, Komponenten, die noch zerkleinert werden müssen (z. B. lange Grassilagen), sollten immer zuerst, strukturschwache (z. B. Maissilage) und feuchte Komponenten sollten hingegen erst am Schluss beladen werden. Kleinstmengen wie diverse Zusatzstoffe werden am besten in der Mitte befüllt, damit sie am besten in der Mischung verteilt werden. Eine Mischzeit von 3-4 Minuten nach der Befüllung der letzten Komponente reicht in der Regel bei Zwangsmischern aus. Jede neue Ration benötigt ihre eigene Einstellung bezüglich Beladereihenfolge und Mischzeiten.

Die Mischgenauigkeit lässt sich unkompliziert mit der Schüttelbox oder dem Erbsentest überprüfen. Die Schüttelbox ist in Schleswig-Holstein bereits landläufig bekannt und kann in der Regel über die Beratung ausgeliehen werden. Der sogenannte Erbsentest wird häufig in der Schweiz angewendet und eignet sich besonders gut für kleinere Betriebe. Dabei werden Erbsen oder Bohnen als Marker eingesetzt und nach dem Ausfüttern zurückgewogen (nähere Informationen unter: www.strickhof.ch). Anschließend wird der Variationskoeffizient berechnet.

Bei sehr feuchten oder langen Grassilagen kommt es zu einer verzögerten Auflösung der Grassilage. Dadurch finden sich auf dem Futtertisch anschließend vermehrt nicht aufgelöste „Silagekugeln“, die die Kühe unerwünschter Weise bequem ausselektieren. Kurze Schnittlängen und höhere Trockensubstanzgehalte mischen in der Regel besser.

Schüttelbox - www.kuehe-gesund-fuettern.de

Mit Hilfe der Penn State Schüttelbox lässt sich die Mischgenauigkeit der Ration und ein mögliches Sortieren durch die Kühe leicht überprüfen.

 

Futterselektion vermeiden

Eine Voll-TMR sollte nicht zu feucht und nicht zu trocken sein (38-45 % Trockenmassegehalt). Für eine gute Futteraufnahme ist es zudem wichtig, dass die Ration ausreichend piekt und schmackhaft ist. Ein gutes Zeichen ist es, wenn die Kühe nicht in der Mischung nach bestimmten Futterkomponenten suchen, sondern sie gleichmäßig aufnehmen. Ist eine Ration schlecht gemischt oder zu trocken, bietet sie den Kühen gute Möglichkeiten der Futterselektion. Als Anhaltspunkt dient hier das Restfutter. Es sollte ca. 3-6 % der ursprünglichen Futtermenge betragen und genauso aussehen wie die Ausgangsration.

Eine Futterselektion führt zu ungewünschten Nebeneffekten. Die Kühe fressen dann meistens deutlich weniger Rohfaser als angenommen. Die Gefahr der Pansenübersäuerung steigt. Die Verfütterung von pelletiertem Kraftfutter am Futtertisch ermöglicht eine unerwünschte Selektion und sollte deshalb vermieden werden.

 

Controlling der Fütterung

Inwiefern die berechnete Ration von der gefressenen Ration abweicht, lässt sich mit Hilfe einiger Kontrollinstrumente leicht feststellen. Am einfachsten ist es, sich die frisch ausgefütterte Ration am Beginn, in der Mitte und am Ende des Futtertischs anzuschauen. Auch die Beobachtung der Kotkonsistenz und des Wiederkauens hilft dabei, einzuschätzen, ob die Ration wiederkäuergerecht ist. Steht am Futterwagen eine gut funktionierende Waage zur Verfügung können zudem tägliche Beladelisten geführt werden. Hier lassen sich Abweichungen von der berechneten Ration schnell erkennen, indem die Mengen der einzelnen Futterkomponenten mit der Ration abgeglichen werden.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist, ob die in der Berechnung angenommenen Trockenmasseaufnahmen mit den tatsächlich gefressenen Futtermengen übereinstimmen. Nicht selten kommt es vor, dass die tatsächlich vorgelegte Ration einen anderen TM-Gehalt aufweist als in der Berechnung angenommen. Ist die Ration zum Beispiel feuchter als berechnet, ergibt sich bei gleichbleibender Frischfuttermenge eine geringere Trockenmasseaufnahme. Auch die Rohfaseraufnahme wird dann überschätzt und führt gerade in Kombination mit zusätzlichen Kraftfuttergaben an Stationen zu einer steigenden Acidosegefahr. Die Folge sind in der Regel schwankende Futteraufnahmen und Milchmengen sowie zeitversetzt Klauen- und Fruchtbarkeitsprobleme. Deshalb ist es wichtig, regelmäßig die tatsächliche Trockenmasseaufnahme der Kühe mit Hilfe von Trockenmassebestimmungen (z. B. Mikrowelle, Dörrautomat, Lufa) zu überprüfen. Je nach Fragestellung und Problemlage der Herde kann auch eine Vollanalyse der Ration vom Futtertisch dabei helfen, mögliche Fehlerquellen aufzudecken.

Mehr zum Thema Fütterungscontrolling erfährst du auch in meiner Podcast-Folge!

 

Fazit

Kühe lieben Langeweile! Feste Fütterungszeiten, konsequente Abläufe, optimierte Beladereihenfolge und das Einhalten einheitlicher Mischzeiten helfen dabei, eine hohe Mischgenauigkeit in der Ration zu erzielen. Ziel ist es, dass die berechnete Ration nicht von der verwerteten Ration abweicht und jeden Tag dieselbe Mischung mit einer hohen Mischgenauigkeit gefüttert wird. Dies setzt ein gutes Fütterungsmanagement mit festen Arbeitsabläufen und eine gewartete Fütterungstechnik voraus. Umso geringer die vorgelegte Ration von Tag zu Tag schwankt, desto höher ist die Futteraufnahme. Eine hohe Futteraufnahme führt zu höheren Milchleistungen und gesünderen Kühen – Garanten für eine erfolgreiche Milchproduktion.

Viel Erfolg bei der richtigen Fütterung!

Ich wünsche dir gesunde Kühe!

Deine Denise